Warum niemand Verkäufer mag – und was das für deine Akquise bedeutet
Niemand mag Verkäufer. Fragt man Menschen auf der Straße, was ihnen zu einem Verkäufer einfällt, kommt fast immer dasselbe: aufdringlich, geldgierig, redet zu viel, nervig. Das ist kein Imageproblem der Branche, das man ignorieren kann. Es ist der Grund, warum Kunden im Erstkontakt nicht die Wahrheit über ihr Budget und ihre echten Herausforderungen sagen. Wer akquirieren will, muss anders auftreten als der Durchschnitt, und das beginnt mit Vorbereitung statt mit der Frage „Hätten Sie kurz Zeit?“.
Stell dir vor, du fragst hundert Leute in der Innenstadt, was ihnen spontan zu einem Verkäufer einfällt. Du wirst keine schmeichelhaften Antworten hören. Aufdringlich. Geldgierig. Redet zu viel. Nervig. Diese Antworten höre ich seit Jahren in Trainings, egal in welchem Land, egal in welcher Branche. Und das ist nicht das Problem der anderen. Es ist unser Problem, denn es entscheidet darüber, ob ein Kunde uns die Wahrheit sagt oder nicht.
Warum hat der Verkäufer so ein schlechtes Image?
Die Zuschreibungen sind über Jahrzehnte gewachsen. Besonders im DACH-Raum ist das Bild historisch geprägt, Verkäufer haben hier nie den besten Ruf genossen. Interessant wird es, wenn man genauer hinschaut: Selbst Verkäufer mögen andere Verkäufer oft nicht. Der übergriffige Anrufer, der einem etwas andrehen will, ist ein Klischee, vor dem sich auch die fürchten, die selbst im Vertrieb arbeiten.
Dieses Klischee ist nicht abstrakt. Es hat eine sehr konkrete Form, und die meisten erkennen sie sofort wieder.
Wie wirkt ein unvorbereiteter Anruf auf den Kunden?
Stell dir den klassischen unvorbereiteten Anruf vor. „Hallo, hätten Sie kurz Zeit?“ Der Kunde weiß in dieser Sekunde bereits, was kommt. Diese Person will mir etwas verkaufen. Das ist das vertriebliche Äquivalent zu dem Typen mit dem Aktenkoffer an der Haustür, der einfach nicht weggeht. Und genau in dem Moment, in dem der Kunde das spürt, ist das Gespräch im Grunde schon verloren.
„Genau so klingt Akquise ohne Vorbereitung: wie der Vertreter an der Haustür, der nicht weggeht.“
Warum sagen Kunden Verkäufern nicht die Wahrheit?
Hier liegt der eigentliche Kern. Würdest du dieser Person die Wahrheit sagen? Über dein echtes Budget? Über deine wirklichen Herausforderungen? Niemand würde das. Stattdessen wimmelt man ab: „Schicken Sie mir mal Unterlagen.“ Das ist keine Einladung, das ist eine höfliche Tür, die zugemacht wird.
Der Grund ist einfach: Die Person hat sich das Vertrauen nicht verdient. Sie will Informationen herausziehen, ohne vorher die Arbeit gemacht zu haben. So funktioniert es nicht, und so funktioniert es seit mindestens zehn Jahren nicht mehr. Wer ohne Anlass und ohne Vorbereitung anruft, bekommt keine ehrlichen Antworten, sondern Standard-Abwehr.
Was bedeutet das konkret für die eigene Akquise?
Die Konsequenz ist nicht, sympathischer zu wirken oder besser zu reden. Die Konsequenz ist, das Bild des klassischen Verkäufers gar nicht erst zu erfüllen. Vorbereitung ist dabei kein Bonus, den man sich gönnt, wenn Zeit übrig ist. Vorbereitung ist der Unterschied zwischen „Schicken Sie mal was rüber“ und „Erzählen Sie mehr“.
Bevor jemand zum Hörer greift, sollten drei Fragen beantwortet sein:
- Was macht das Unternehmen gerade konkret? Welche Entwicklung, welches Projekt, welche Veränderung ist sichtbar?
- Was ist aktuell? Gibt es eine Pressemeldung, eine neue Führungskraft, eine Standorteröffnung, einen Anlass, der den Kontakt rechtfertigt?
- Welcher konkrete Aufhänger rechtfertigt genau diesen Anruf zu genau diesem Zeitpunkt?
Wer diese Vorarbeit nicht leistet, klingt automatisch wie der Vertreter an der Haustür mit dem Aktenkoffer. Wer sie leistet, startet nicht mit „Hätten Sie kurz Zeit?“, sondern mit einem konkreten Anlass, der zeigt: Ich habe mich mit Ihnen beschäftigt, bevor ich angerufen habe.
„Im B2B-Vertrieb geht es nicht darum, unbedingt gemocht zu werden. Es geht darum, das Bild eines klassischen Verkäufers nicht zu erfüllen.“
Der erste Schritt für das nächste Gespräch
Die gute Nachricht: Diese Vorbereitung lässt sich strukturieren, und moderne KI-Werkzeuge verkürzen den Rechercheaufwand drastisch. Was früher Stunden gekostet hat, dauert heute Minuten. Wie sich diese Vorbereitung konkret aufbauen lässt, ist Thema der nächsten Beiträge.
Der erste, sofort umsetzbare Schritt ist simpel: beim nächsten Erstkontakt nicht mit „Hallo, hätten Sie kurz Zeit?“ eröffnen, sondern mit einem konkreten Anlass. Allein dieser eine Unterschied verändert, wie das Gespräch beginnt, und ob der Kunde bereit ist, ehrlich zu antworten.
Akquise systematisch statt zufällig
Wir trainieren Vertriebsteams im DACH-Raum genau an dieser Stelle: vorbereitet auftreten, Vertrauen aufbauen, ehrliche Gespräche führen statt abgewimmelt zu werden. Wenn Sie das in Ihrem Team verankern wollen, schreiben Sie uns gerne.

Verkaufen ist mein Handwerk. Ich bin Marvin A. Verweyen — Verkaufstrainer, Unternehmer und spezialisiert auf das, was im B2B wirklich schmerzt: neue Kunden gewinnen und Preise durchsetzen. Mit meinem Team unterstütze ich Vertriebsorganisationen im Mittelstand und Konzern, wieder planbar zu verkaufen. Kein Buzzword-Bingo, sondern das, was Montag früh funktioniert.

